Was kostet ein Anwalt in der Schweiz?
Kein Einheitstarif: diese Faktoren zählen
Es gibt keinen schweizweiten Einheits-Stundenansatz für Anwältinnen und Anwälte. Das Honorar hängt vom Kanton, von Erfahrung und Spezialisierung, von Komplexität und Dringlichkeit des Falls sowie vom Streitwert ab. Mehrere Kantone kennen Tarife für die Parteientschädigung im Prozess; die Abrechnung zwischen Anwalt und Klient bleibt aber weitgehend Vertragssache.
Die goldene Regel: Fragen Sie schon im Erstgespräch, wie abgerechnet wird (Stundenansatz, Pauschale oder Kombination), wie oft über die geleisteten Stunden Rechenschaft abgelegt wird und wie hoch die Gesamtkosten voraussichtlich (auch grob) ausfallen dürften.
Kostenvorschuss, Honorarnote und Beanstandung
Üblich ist ein Kostenvorschuss vor Arbeitsbeginn. Die Leistungen werden danach laufend abgerechnet. Sie haben Anspruch auf eine detaillierte Aufstellung der erbrachten Leistungen.
Bei Streit über eine Honorarnote bieten die meisten Kantone und Anwaltsverbände ein Moderations- oder Schlichtungsverfahren an, in dem eine unabhängige Stelle die Rechnung prüft.
Erfolgshonorar: was zulässig ist
Das schweizerische Recht verbietet das pactum de quota litis: die Vergütung ausschliesslich durch eine Beteiligung am Prozessergebnis. Zulässig ist unter bestimmten Voraussetzungen hingegen eine Erfolgsprämie zusätzlich zu einem Grundhonorar, das mindestens die Kosten des Anwalts deckt (pactum de palmario).
Denken Sie auch an die Rechtsschutzversicherung: Wurde sie vor dem Streitfall abgeschlossen, kann sie die Anwaltskosten je nach Police ganz oder teilweise übernehmen. Prüfen Sie Ihre Deckung, bevor Kosten entstehen.
Häufige Fragen
Darf ein Anwalt rein erfolgsabhängig bezahlt werden?
Nein. Das pactum de quota litis (Vergütung ausschliesslich als Anteil am Ergebnis) ist in der Schweiz verboten. Eine Erfolgsprämie zusätzlich zu einem angemessenen Grundhonorar ist unter Voraussetzungen zulässig.
Was ist ein Kostenvorschuss?
Eine vor Arbeitsbeginn verlangte Vorauszahlung auf das Honorar, in der Schweiz üblich. Sie wird mit den späteren, detaillierten Honorarnoten verrechnet.
Was tun bei einer strittigen Honorarnote?
Zuerst eine detaillierte Leistungsaufstellung verlangen. Danach bieten die meisten Kantone und Anwaltsverbände ein Moderations- oder Schlichtungsverfahren durch eine unabhängige Stelle an.
Wer zahlt die Anwaltskosten, wenn ich gewinne?
Im Zivilprozess trägt grundsätzlich die unterliegende Partei die Kosten, einschliesslich einer Parteientschädigung an die Gegenseite. Diese richtet sich nach kantonalen Tarifen und deckt das tatsächlich verrechnete Honorar nicht immer vollständig.
Und wenn ich mir keinen Anwalt leisten kann?
Die unentgeltliche Rechtspflege kann Verfahrenskosten und einen unentgeltlichen Rechtsbeistand übernehmen, wenn die nötigen Mittel fehlen und das Begehren nicht aussichtslos ist (Art. 29 Abs. 3 BV). Siehe unseren Ratgeber zur unentgeltlichen Rechtspflege.